Einkaufsfinanzierungs-Methoden: Borrowing Base, Reverse Factoring und Finetrading

Es ist die wirtschaftliche Not, die deutsche Unternehmen zu diesen 3 Finanzierungsmethoden aus den USA (klassische Betriebsmittelkredite sind dort unüblich) greifen lassen. Ob Borrowing Base, Reverse Factoring oder Finetrading, alle haben dasselbe Ziel: das Umlaufvermögen (hier die Warenvorräte) zur Liquiditätsbeschaffung zu nutzen.
Borrowing Base

Das bedeutet „Beleihungsgrundlage“. Diese Form der Umlaufvermögensfinanzierung war ursprünglich für international tätige Handelsunternehmen gedacht. Basis für die Kredithöhe sind die mit Sicherheitsabschlägen reduzierten Buchwerte der Forderungen (an Kunden) plus die Warenbestände/Vorräte. Die Banker sagen, dass die Kreditlinie „atmet“. Je mehr eingekauft wird (z. B. für einen Großauftrag), desto mehr Geld steht zur Verfügung.

Bei den Großbanken, die Borrowing Base (BB) anbieten, geht es erst bei 10 Mio. Euro los.

Reverse Factoring

Das ist der „umgedrehte Forderungsverkauf“. Ein Finanzdienstleister (C) kauft hier die Rechnungen der Lieferanten (B) seines Auftraggebers (A) an und bezahlt diese sofort. Der Factoring-Nutzer (A) bekommt ein längeres Zahlungsziel. Der Finanzierer (C) erhält zum einen eine Gebühr von A und verdient außerdem an dem vom Lieferanten gewährten Skontoabschlag. Angeboten wird diese Variante von den üblichen Factoring-Gesellschaften.

Finetrading
Bei dieser jüngsten Variante fungiert ein spezieller Dienstleister als Zwischenhändler (C). Dieser kauft im Auftrag des Unternehmens (A) die benötigten Vormaterialien beim Lieferanten (B) und verkauft diese sofort an seinen Auftraggeber weiter. Der Vorteil bei diesem Dreiecksgeschäft: Der Finetrader (C) räumt dem Kunden (A) ein Zahlungsziel von bis zu 4 Monaten ein – zahlt aber die Rechnung an den Lieferanten (B) sofort. Der Finetrading-Nutzer (A) verhandelt wie bisher die Mengen, Preise und Termine mit seinem Lieferanten (B). Danach bekommt der Finetrader (C) die Daten und bestellt auf eigene Rechnung beim Lieferanten (B). Es entstehen also mindestens 2 Kaufverträge.

Bewertung: Wer fremdes Geld benötigt, ist mit Betriebsmittelkrediten der Hausbank so gut wie immer besser bedient. Außer beim BB geht es eh nur um Lieferantenkredite. Wieso soll daran ein Dritter mitverdienen? Auf 3 % Skonto zu verzichten ist sehr teuer: 3 % für 30 Tage entspricht einer rechnerischen Verzinsung von 36 % pro Jahr. Ein Kontokorrentkredit kostet mit rund 10 % aktuell deutlich weniger pro Jahr.

© Copyright - Einkaufsmanager