Risikomanagement: Wie Sie Verluste beim globalen Einkauf vermeiden

Die Risiken beim Einkauf auf internationalen Märkten sind unbestritten hoch. Doch Sie können sich schützen – indem Sie frühzeitig dafür sorgen, dass Sie wirtschaftliche und politische Gefahren in den Lieferantenländern rechtzeitig erkennen, die Eintrittswahrscheinlichkeit analysieren und die richtigen Gegenmaßnahmen treffen. Ein vorausschauendes Risikomanagement bewahrt Sie vor Verlusten.

2 Risikomanagement-Typen

Beim passiven Risikomanagement wird die Risikovermeidung in den Vordergrund gestellt. So werden bei dieser Variante niemals Fremdwährungs-, sondern immer nur Euro- Geschäfte abgeschlossen. Das aktive Risikomanagement versucht, Risiken zu gestalten, z. B. durch Risikoumverteilung (Lieferantengarantien), Risikoverminderung (Lieferantenstreuung) oder Risikokompensation (Hedging).

Beachten Sie: Risiko ist nicht gleich Risiko. Ein Kurs- oder Preisrisiko kann auch eine Gewinnchance für Ihr Unternehmen bedeuten! Prüfen Sie deshalb, ob ein zu scharfes Risikomanagement nicht Ihre Gewinnmöglichkeiten beeinträchtigt.

Wirtschaftsrisiken

Wirtschaftsrisiken können Sie durch eine vorausschauende Einkaufspolitik fast vollständig vermeiden oder zumindest erheblich reduzieren.

1. Marktrisiko

Fehleinschätzung des Beschaffungsmarktes, des Beschaffungsweges oder des Auslandslieferanten, der Ihre qualitativen und/oder quantitativen Produktvorgaben nicht einhalten kann.

Ihre Gegenmaßnahmen
: Beobachten und analysieren Sie ständig die infrage kommenden Beschaffungsmärkte. Vereinbaren Sie mit Ihrem Lieferanten Qualitätsstandards und suchen Sie sich Logistikpartner, die einen produktgerechten Transportweg gewährleisten.

2. Preisrisiko

Preissteigerungen durch Materialverteuerungen oder Lohnerhöhungen beim Lieferanten gefährden Ihren Einkaufserfolg.

Ihre Gegenmaßnahmen
: Schließen Sie langfristige Verträge ab, die Preisbindungen und Preisgleitklauseln enthalten.

3. Lieferungsrisiko

Lieferfristen, Produktqualität und Produktmenge werden von Ihrem ausländischen Zulieferer nicht eingehalten.

Ihre Gegenmaßnahmen
: Legen Sie Lieferungs- und Gewährleistungsgarantien vertraglich mit ihm fest und überwachen Sie vor Ort (mithilfe eines Dienstleisters) streng deren Einhaltung.

4. Kursrisiko

Aufgrund von Währungsschwankungen müssen Sie für eingehende Lieferungen mehr bezahlen, als Sie bei Vertragsabschluss mit Ihrem ausländischen Lieferanten vereinbart haben.

Ihre Gegenmaßnahmen
: Schließen Sie Verträge nicht in Landeswährung oder US-Dollar, sondern in Euro ab. Ist das nicht möglich, empfehlen sich Vorauszahlungen, wenn der Wert des Euro zur fakturierten Währung sinkt, und ein langes Zahlungsziel, wenn der Wert des Euro steigt.

5. Transportrisiko

Durch schlechte Infrastruktur, Schlampigkeit oder eine Havarie, aber auch durch kriegerische Einwirkungen kann eine Lieferung im Ausland beschädigt werden oder im schlimmsten Fall komplett verloren gehen.

Ihre Gegenmaßnahmen
: Schließen Sie eine Transportversicherung ab oder vereinbaren Sie vertraglich, dass der ausländische Zulieferer das Transportrisiko übernimmt.

Praxis-Tipp

Heuern Sie einen Mann vor Ort an, der nach Ihren Vorgaben Zielmärkte und Ziellieferanten beobachtet und Ihnen regelmäßig Bericht erstattet.

Länderrisiken

Länderrisiken bedeuten nicht nur ein beträchtliches Gefährdungspotenzial für Ihren Auslandseinkauf, obendrein können Sie auf diese Risiken nur wenig Einfluss nehmen.

1. Politisches Risiko

Nicht nur Streiks, Unruhen und kriegerische Handlungen müssen Sie mit in Ihr Einkaufskalkül ziehen, sondern auch polizeiliche Beschlagnahmung und mutwillige Beschädigungen.

Ihre Gegenmaßnahmen
: Erwirken Sie bei Ihrem ausländischen Lieferanten Bürgschaften und Liefergarantien.

2. Rechtliches Risiko

Trotz zahlreicher bilateraler Handelsabkommen und der Schaffung von Wirtschaftszonen behindern nationale Reglungen z. B. des Zollrechts immer wieder den freien Warenverkehr.

Ihre Gegenmaßnahmen
: Bemühen Sie sich um Kontakte zu Vertretern staatlicher Institutionen und Rechtsorgane Ihres Zuliefererlandes. Beobachten Sie ständig die dortige Politszene.

3. Soziokulturelles Risiko

Vor allem in islamischen Staaten sind Religionen und Gebräuche eng mit wirtschaftlichen Strukturen verwoben. Sozial und kulturell geprägte Fettnäpfchen, in die Sie treten können, gibt es aber in jedem Winkel der Welt.

Ihre Gegenmaßnahmen
: Verschaffen Sie sich noch vor Ihrem ersten Lieferantenbesuch detaillierte Landeskenntnisse. Beachten Sie bei allen Kontakten die unterschiedlichen Kulturauffassungen in Bezug auf Werte, Rituale und Symbole. Binden Sie am besten einen Ortsansässigen in Ihre Einkäufertätigkeit ein, und schulen Sie im Bedarfsfall Ihr Einkäuferpersonal für die entsprechenden Zielstaaten.

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