Rutscht die Weltwirtschaft 2008 in eine Rezession?

Wirtschaftsexperten der Deutschen Bank gehen für 2008 von einem schwächeren Wachstum aus: 4,75 % statt 5 % (2007). Die Möglichkeit einer Mini-Rezession steigt ihrer Meinung nach auf 50 %. Knackpunkt sind und bleiben die USA. Die andauernde Dollar-Schwäche hat die Konjunkturaussichten der größten Volkswirtschaft der Welt (2 % Wachstum für 2008) weiter eingetrübt. Der jüngsten Leitzinssenkung auf 75 Basispunkte dürfte bald die nächste folgen. Die Banker sehen die Dollar-Schwäche nicht als isoliertes Ereignis. Vielmehr finde sie im Kontext weltwirtschaftlicher Entwicklungen statt. Mit dem Dollar-Tieff lug verbunden seien Rekordnotierungen an den Rohölmärkten, Goldpreise von über 800 USD und ein vermutliches Ende der langjährigen Hausse an den Aktienmärkten.

Die gute Nachricht für Ihre globalen Einkäufe auf Dollar-Basis: Wechselkursszenarien von 1,50-1,60 USD für 1 € sind in greifbare Nähe gerückt. Finanzexperten schätzen diesen Trend als dauerhaft ein. Für sie hat der Euro das Zeug zu einer 2. Leitwährung. Mehr zu den aktuellen Entwicklungen berichtet der Informationsdienst Rohstoffeinkauf Aktuell.

In China steigt die Inflationsgefahr
Der starre Wechselkurs des Yuan belastet nach Ansicht der OECD nicht nur die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und China, sondern verhindert auch eine Stabilisierung der boomenden Wirtschaft des Landes. Trotz Gegenmaßnahmen der chinesischen Notenbank, die den Leitzins im vergangenen Jahr vier Mal angehoben hatte, sei die Inflation weiterhin sehr hoch. Durch die anhaltende Überhitzung der chinesischen Binnenwirtschaft und die rasant steigenden Nahrungsmittelpreise drohe China ein Inf lationskollaps. Gegenmaßnahmen wie eine Aufwertung des Yuan, der derzeit nur in einer engen Bandbreite zum Dollar schwanken darf, sind dringend notwendig, die aber verweigert die Regierung in Peking.

Die EU ist nicht produktiv genug
Zwar hat Europa den Produktivitätsabstand zur USA in den vergangenen Jahren verringern können, doch nach Auffassung des EU-Wirtschaftskommissars Joaquin Almunia gäbe es noch immer Lücken. Größte Dynamikbremsen: Zu geringe Investitionen in Forschung und Entwicklung, nicht optimal eingesetzte Informations- und Kommunikationstechnologien, unzureichende Förderung des Wettbewerbs und kein frei f ließender Handelsverkehr. Kleines Trostpflaster: Insgesamt ist die Euro-Zone mit einem erwarteten Wirtschaftswachstum von 1,9 % in diesem Jahr relativ solide aufgestellt.

USA: Alarmstufe Rot
Nach einer erneuten Leitzinssenkung zum Jahreswechsel von 4,5 auf 4,25 %, der stärksten seit der Rezession von 2001, scheint der Abschwung der US-Wirtschaft besiegelt. Einige prominente Ökonomen (Finanzminister Lawrence Summers, Chefvolkswirt Edward Lazear von Merrill Lynch und Chris Rupky, Chefökonom der Bank of Tokyo-Mitsubishi in New York) schätzen die Risiken für die US-Konjunktur so groß wie schon lange nicht mehr ein. Die Krise am Häusermarkt geht ins dritte Jahr und hält weiter an, die hohen Ölpreise zehren an der Kaufkraft der Konsumenten. ‘Alles läuft gegen sie’, meint Chris Rupky. Er hat seine US-Wachstumsprognose für das 1. Quartal 2008 auf 0,5 % gesenkt. ‘Wir sind sehr, sehr nah an einer Rezession’, warnt er.

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