Die 3 Wege zur Lieferanten-Kostentransparenz: Praktisches Kostenmanagement ist das lukrativste Einkaufswerkzeug

Ihre Firma bezahlt Sie dafür, dass Sie ständig darüber nachdenken, wie die Kosten für Dienstleistungen, Investitionsgüter sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe noch weiter gesenkt (optimiert) werden können. So weit nichts Neues.

Vielleicht haben Sie auch schon festgestellt, dass die herkömmlichen Einkaufsmethoden und -instrumente immer schlechter funktionieren. Dies ist nicht alleine mit den zurzeit boomenden Rohstoffmärkten zu erklären.

Die Einkaufsmanager-Redaktion meint: Hier bahnt sich ein Paradigmenwechsel in der Beschaffung an (die radikale Änderung des Blickwinkels auf ein Thema), dessen Auswirkungen bereits zu spüren sind.

So ist es heuteJe größer eine Firma ist, umso stärker nutzt sie auch die Marktmacht aus. Lieferanten werden mit extremen Forderungen unter Druck gesetzt. Wenn der Lieferant dann auch noch abhängig von seinem Kunden ist, hat er ganz schlechte Karten. Besonders die Automotive-Branche (aber auch andere) gilt als sehr „lieferantenfreundlich“.

Beachten Sie: Die zusätzlich häufig nach außen betonte (faire?) Partnerschaft zwischen Abnehmer und Zulieferer klingt da manchmal wie blanker Hohn. Aber so manche Firma hat den zurückkommenden Bumerang schon gespürt.

So wird es morgen

Es herrscht – zumindest bei den wichtigsten Produkten – völlige Transparenz der Einkaufskosten. Das bedeutet, der Einkauf besitzt detaillierte (Insider-)Kenntnisse über: die weltweiten Branchen-Spielregeln die einzukaufenden Produkte und Dienstleistungen die (Produkt-) Kostenstruktur der Lieferanten Einkaufsmanager-Tipp: Pauschale Forderungen zur Preisreduzierung als Antwort auf seine Angebotspreise sind dann „kalter Kaffee“.

Erst wenn Sie die Herstellungskosten für die Produkte / Dienstleistungen Ihrer Lieferanten kennen, wird eine wirklich faire Zusammenarbeit (Lieferpartnerschaft) möglich. Ein Lieferant, der sich nicht in die Karten schauen lässt, hat doch offensichtlich Angst, dass Sie irgendetwas herausfinden. Vielleicht zu hohe Kosten und Gewinne?

Schnell-Test zur Kostentransparenz (für Ihre A- und großen B-Lieferanten):

Ist die generelle Kostenstruktur bekannt und transparent? Sind die Produkt-Selbstkosten als Basis für Preisverhandlungen bekannt? Arbeiten Sie mit Zielpreisen (Cost Targets) gegenüber den Lieferanten? Wird die Produktkosten-Entwicklung laufend überwacht? Arbeiten Sie gemeinsam mit den Lieferanten an der Senkung der Prozess- und Produktkosten? Auswertung: 5-mal „Ja“ bedeutet einen Einkauf auf der Höhe der Zeit – jedes „Nein“ ist ein hervorragender Ansatz zur Kostensenkung.

Die 3 Wege zur Kostentransparenz bei Ihren Lieferanten

Einkaufskosten-Analyse: Die Kostenbestandteile eines Produktes werden hier untersucht. Welche Einzel- und Gemeinkosten fallen in der Fertigung eines Produktes an? Gibt ein Lieferant seine Ist-Daten nicht preis, ist die Kostensimulation mithilfe von Vergleichsdaten möglich. Die Einkaufskosten-Analyse beinhaltet sowohl strategische (Zielpreise für die Entwicklung von Produkten) als auch operative Aufgaben (Preisverhandlungen, Volumenänderungen). Diese Informationen brauchen Sie:
Lieferantendaten: Kostenstruktur, Einzel- und Gemeinkosten, Arbeitszeiten, Schichtmodelle, Löhne, Gehälter, besondere Sozialleistungen, Krankenstände … Produktdaten: Jahresstückzahl, Fertigungs-Spezifikationen, Verpackung, Versand … Parametrik: Bereits in den 80er Jahren beurteilten die NASA und die US-Armee Kostenstrukturen mithilfe von „technischen Parametern“ und der Mathematik (Gleichungen, Logik, Annahmen, Basisregeln …). Grundlegend ist bei dieser Methode des Kostenabschätzens das Ableiten über die kostenbeeinflussenden Faktoren. Bei einer komplexen Software sind das zum Beispiel Lohnstunden für die Entwicklung der Software oder die Menge der programmierten Zeilen (Lines of Code, LoC). Die Parametrik kann aber auch bei anderen Produkten eingesetzt werden. Produkt- und Lieferantendaten: Ohne Zahlen keine Kostenanalyse. Sie brauchen eine kleine Datenbank (notfalls mit Excel), wo die systematisch recherchierten und beim Lieferanten erfragten Daten (z. B. bei Audits) gesammelt und strukturiert werden. Mit jeder Zahl wächst Ihre Kenntnis über den Lieferanten. Je mehr Sie über seine Fertigungsprozesse, seine Firmen- und Kostenstrukturdaten wissen, desto wirkungsvoller und fairer können Sie die Preisverhandlungen gestalten. Einkaufsmanager-Tipp: Wenn Sie diese Werkzeuge ernsthaft nutzen möchten, dann muss Ihre Firma Zeit und Geld dafür investieren. Stimmen Sie das weitere Vorgehen deswegen unbedingt mit Ihrer Geschäftsleitung ab.

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