Sicherheitsrisiken in Schwellenländern steigen

In den Nachrichten deutscher Medien tauchen Nachrichten wie diese selten oder gar nicht auf: „In Bolivien wurde der Mitarbeiter der Firma XY hinterrücks erschossen“ oder „Der Z-Repräsentant der südafrikanischen Niederlassung ist auf offener Straße gekidnappt worden. Die Täter fordern 300.000 US-$ Lösegeld. Andernfalls werden sie den Z-Mitarbeiter köpfen.“Mangelhaftes Risikomanagement
Haargenau wegen dieser beklagenswerten Realität scheuen auch immer mehr Unternehmen davor zurück, sich in den gefährdeten Regionen dieser Welt zu engagieren: ob als Investor oder eben als Einkäufer. Das Beratungsunternehmen KPMG International hat nachgehakt und herausgefunden, dass 40 % der befragten Unternehmen um bestimmte Regionen in den BRIC- und ASEAN-Ländern inzwischen einen großen Bogen machen. Gerade dort schlummern jedoch die größten Handels- und Einkaufschancen.

Praxis-Tipp: Die englischsprachige KPMG-Studie zu Chancen und Risiken des Global Sourcing 2011 finden Sie im PDF-Format unter www.kpmg.de/docs/20101103_Global_Manufacturing_Outlook.pdf.

Mittel- und Südamerika ist ein heißes Pflaster
In den letzten Jahren haben sich Drogenkartelle nicht nur zu einer Bremse für die dortige Wirtschaft entwickelt, sondern auch zu einer ernsthaften Gefahr für Leib und Leben, und zwar nicht nur für Geschäftsleute. Traurige Berühmtheit haben etwa die vielen No-go-Areas in den brasilianischen Großstädten erlangt.

Aber auch in Mexiko, das lange Zeit als Vorzeigeland Mittelamerikas galt, wird das undurchdringliche, da hochkorrupte Gemisch aus legalen und kriminellen Strukturen zu einer nationalen Bedrohung. Noch sitzt die Regierung zwar (relativ) fest im Sattel, doch die Kartelle blasen immer unverhohlener zum Krieg.

Als im Sommer 2010 einige höhere Beamte in Mexico-Stadt der Drogenmafia die Zusammenarbeit verweigerten, schnitten ihnen Killer die Köpfe ab und steckten sie in bester Kannibalenmanier am Flughafen auf Zaunpfähle!

Beachten Sie: Im Bedrohungsfall die Polizei zu rufen ist in Süd- und Mittelamerika selten ein guter Ratschlag. Im Fall von Mexico-Stadt schätzt z. B. D&B Contryrisk, dass rund die Hälfte aller Polizisten von einem Clan oder Kartell geschmiert wird.

Helfer in Sicherheitsfragen
Eines der wichtigsten Beratungsunternehmen in Sachen Schutz und Sicherheit ist Control Risks. Wie ein Puzzle setzen die weltweit 1.500 Mitarbeiter (davon 30 in Berlin) Jahr für Jahr Daten und Informationen zum politischen Umfeld von Ländern/Regionen/Städten, zu Terrorismusgefahren, zur Rechtssicherheit sowie zu vielen anderen Sicherheitsfeldern zu einer Risiko-Weltkarte zusammen.

Ihre Bewertungsskala reicht dabei von „unbedeutendes Risiko“ (Schweiz oder Norwegen) bis hin zu „extrem hohes Risiko“ (Bolivien, Demokratische Republik, Kongo). Ganz ähnlich arbeiten auch andere wichtige Informations-Dienstleister wie: PriceWaterhouseCoopers (www.pwc.de) Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft e. V. (www.asw-online.de) D&B Contryrisk (www.dnbcountryrisk.com) RiskNet (www.risknet.de) Praxis-Tipp: RiskNet bietet neben vielen Sicherheits-Seminaren auch eine (deutschsprachige) Weltkarte der politischen Risiken an. Anders als bei Control Risks ist der Download sogar kostenlos!

Der Sicherheitsmarkt boomt
Aber nicht nur Clans und Kartelle, die den überall auf der Welt wuchernden Monsterstädten ihre eigene Gesetzlichkeit aufdrücken, sind für internationale Einkäufer und Geschäftsreisende eine ernste Gefahr, sondern auch außer Kontrolle geratene soziale und politische Konflikte, wie erst kürzlich in Tunesien, Ägypten oder Libyen.

Wer dort (oder anderswo) in eine Straßenschlacht gerät, muss um sein Leben fürchten. Zu jeder Reiseplanung gehört deshalb auch immer eine Risikoberatung, wie sie etwa die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) bietet (ein Verein, den 17 deutsche Wirtschaftsorganisationen vor knapp 20 Jahren gegründet haben). Beim ASW klopfen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen an, die sich keine eigenen Sicherheitsabteilungen leisten können.

Der ASW-Vorsitzende Jörg Peter (Leiter der Konzernsicherheit bei Bosch) betitelt die Hilfen bescheiden als Sicherheitstipps. Im Fall des Falles kann das aber schon mal die Anmietung von gepanzerten Fahrzeugen oder Bodyguards bedeuten – Reisekosten, die nicht unbedingt zu den Kalkulationsgrößen einer Einkaufsreise gehören.

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