Sorgen Sie für ein ausgewogenes Verhältnis von Berufs- und Privatleben

Berufliche und private Interessen unter einen Hut zu bringen ist oft gar nicht so einfach. Dazu sind die Übergänge vom Engagement zur Selbstausbeutung viel zu fließend. Kurzfristig lässt sich ein Bereich noch schadlos vernachlässigen, auf Dauer aber drohen ernsthafte Schäden und Nachteile.Beachten Sie: Die Vernachlässigungen sind durchweg Einbahnstraßen. In der Regel kommen nicht die beruflichen Anforderungen, Arbeitsaufgaben usw. zu kurz, sondern die privaten. Auf Kosten der Familie, der Freunde und der eigenen Freizeitinteressen werden hier hohe Zugeständnisse gemacht.

4 Hauptgründe für dieses Ungleichgewicht

1. Schlechter Umgang mit der Zeit: Die tägliche Arbeitszeit wird durch Leerläufe gestört oder mit Nebensächlichkeiten verplempert.
2. Unstrukturiertes Arbeiten: Es fehlt die ordnende Hand bei den individuellen Arbeitsabläufen oder den Abläufen in der Abteilung (Stichwort: Zu viel wird auf einmal angefangen).
3. Chaotische Arbeitsstile: Bei sich selbst oder/und den Vorgesetzten, den Kollegen, den Lieferanten.
4. Arbeitsüberlastung: Z. B. Überstunden sind ein Dauerzustand.

Die Folgen bedenken
So wichtig Engagement und Interesse für Arbeit und Beruf auch sind, mit ausgepowerten Mitarbeitern, die dauerhaft die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit überschreiten, ist niemandem gedient. Machen Sie deshalb den folgenden Test – mit sich selbst, mit Ihren Kollegen und mit Ihren Mitarbeitern.

Test: Beantworten Sie die folgenden Fragen mit Ja oder Nein
Sind Sie zu jeder Tag- und Nachtzeit erreichbar? Lassen Sie auch nach Feierabend Ihr Business-Handy angeschaltet? Nehmen Sie Arbeit mehr als 2-mal pro Monat mit nach Hause? Machen Sie beim Arbeiten kaum oder wenig Pausen? Arbeiten Sie mehr als 50 Stunden pro Woche? Fühlen Sie sich am wohlsten, wenn Sie alles allein machen können? Sind Sie oft müde? Schlafen Sie schlecht und/oder zu wenig? Können Sie sich schlecht konzentrieren? Sind Sie oft gereizt? Neigen Sie zu Rückenproblemen/Magenschmerzen? Brauchen Sie häufig Entspannungshelfer (Tabletten, Alkohol)? Sind Sie mit Ihrem Leben/Beruf unzufrieden? Auswertung: Wenn Sie, ein Kollege oder ein Mitarbeiter mehr als 4 Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, sollten die Alarmglocken schrillen. Denn dann ist das Verhältnis von Arbeit und (Privat-)Leben (auch Work-Life-Balance genannt) nicht im Lot.

Praxis-Tipp: Fangen Sie sofort an, sich täglich ein paar Zeitinseln zu schaffen, die nur für Ihr persönliches Wohlbefinden da sind. Ein paar Minuten reichen meist schon.

Gehen Sie dann ans Eingemachte
Gewohnheiten zu ändern ist meist leichter gesagt als getan, vor allem wenn sie über Jahre eingeschliffen sind. Betrachten Sie den Balance-Ausgleich von Arbeits- und Privatleben wie ein neues Beschaffungs-Projekt. Beginnen Sie mit der Analyse des Ist-Zustands, legen Sie dann Ziele und Maßnahmen fest, die eventuelle Ungleichgewichte beseitigen, und – last, but not least – überprüfen Sie die Umsetzung mitsamt der Erfolge.

Bei der Analyse gehen Sie am besten folgendermaßen vor: Nehmen Sie ein Blatt Papier mit einer Karo-Einteilung. Listen Sie Kategorien auf, die Ihnen im Privatleben wichtig sind (Familie, Freunde, Hobbys, Sport, soziales/politisches Engagement usw.). Legen Sie eine Relation fest, z. B. 1 Karo = 1 Stunde. Errechnen Sie, wie viele Stunden Sie wöchentlich für die jeweiligen Kategorien aufwenden. Aber bitte: realistisch und ohne Schönfärberei! Steht bei einer Kategorie unterm Strich eine Null, müssen Sie, Ihr Kollege oder Ihr Mitarbeiter aktiv werden, um Berufs- und Privatleben in ein größeres Gleichgewicht zu bringen.

Im Klartext heißt das: Zeitreserven im Arbeitsalltag aufzuspüren und sie in den Privatbereich zu verschieben! Verbessern Sie Strukturen und Abläufe. Prinzipiell fahren Sie dabei mit dem 3er- System am besten, indem Sie1. Ziele festlegen, 2. Ziele umsetzen, 3. Ergebnisse kontrollieren.

Legen Sie Kernarbeitszeiten fest
Verschlanken Sie z. B. Arbeitsprozesse oder fassen Sie sie zusammen, haben Sie mit einem Schlag ein paar Stunden pro Tag/Woche gewonnen. Oder delegieren Sie Aufgaben und Arbeiten. Sie persönlich gewinnen dadurch nicht nur Zeit, Sie erhöhen auch Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl Ihrer Untergebenen oder Kollegen.

Legen Sie in der Abteilung verbindliche Kernarbeitszeiten fest, in denen möglichst wenig telefoniert und geredet wird, z. B. vormittags von 10 bis 12 Uhr und am Nachmittag von 15 bis 17 Uhr. Der Vorteil: Da Sie und Ihre Untergebenen nicht ständig aus dem Arbeitsfluss gerissen werden, arbeiten Sie schneller und effizienter.

In der Kernarbeitszeit nicht erlaubt könnten etwa Sätze sein wie „Kannst du mal grad kommen?“ oder „Haben Sie schon gehört …?“. Tabu sollten in dieser Zeit auch unangemeldete Besucher sein.

Setzen Sie Prioritäten
Teilen Sie alle über den Tag einlaufenden Informationen, Aufgaben und Arbeiten in Kategorien ein, beispielsweise von A wie „Sehr eilig“ über B „Wichtig“ bis D (oder E) „Kann warten“.

Notieren Sie sich auch gleich, wer in welcher Zeit und bis wann die jeweilige Arbeit erledigt haben muss.

Beseitigen Sie Zeitfresser
Finden Sie heraus, welche Arbeitsprozesse am meisten Zeit beanspruchen und wo es Einsparpotenziale gibt. Typische Zeitfresser sind: keine Tagesziele zu haben keine Prioritäten zu setzen sich zu viel Arbeit auf einmal aufzubürden Arbeiten in Hast und Eile zu erledigen persönliche Desorganisation (der Schreibtisch quillt von Ordnern und Papieren über) mangelnde Selbstdisziplin (Aufgaben bleiben unerledigt oder werden vergessen) keine Teamarbeit in der Abteilung (alle sind Einzelkämpfer) schlechtes Ablagesystem Unfähigkeit, nein zu sagen keine oder mangelhafte Kommunikation zwischen Kollegen und Vorgesetzten Entscheidungsschwäche Ablenkung/Lärm/Vieltelefoniererei Praxis-Tipp: Viel Zeit gewinnen Sie auch, wenn Sie Ihren wöchentlichen oder täglichen Meetings ein rigoroses Zeitkorsett verpassen (keine Nebensächlichkeiten, keine Redezeit über 3 Minuten, kein Abweichen von der Tagesordnung usw.).

Bleiben Sie körperlich fit
Nur wenn Sie körperlich fit sind (und bleiben), sind Sie auf Dauer allen Herausforderungen im Berufs- und Privatleben gewachsen:

Nicht umsonst sagt der Volksmund: „Sich regen bringt Segen.“ Suchen Sie sich deshalb eine Sportart, die zu Ihrem Temperament und Ihrer Konstitution passt. Gehen Sie die Sache langsam an. Verlangen Sie keine Höchstleistungen aus dem Stand heraus. Wichtig ist allein die Regelmäßigkeit.

Helfen Sie Ihrem Wohlbefinden auch mit einer gesunden Ernährung auf die Sprünge. Aber vor allem: Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers! Schlägt der Alarm, haben Sie etwas falsch gemacht.

Gestalten Sie Ihre Freizeit
Der Mensch lebt nicht von der Arbeit allein. Zu den Softfacts des Wohlbefindens gehört auch die Freizeit. Talente und Begabungen hat jeder. Nur wissen viele nicht, welche kreativen Kräfte in ihnen schlummern. Finden Sie die heraus (falls noch nicht geschehen). Das können Sie allein bewerkstelligen und z. B. die Kurskataloge der Volkshochschulen durchforsten,

Sie können aber auch alles gemeinsam tun: mit Ihrer Familie, mit Freunden oder mit Kollegen.

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