Inflationsgefahr: Zeichen auf Sturm!

Angesichts der geldpolitischen Experimente von Banken und Regierungen heißt es „Augen auf bei der Beschaffung“, so Jens Holtmann, Chefredakteur des „Einkaufsmanager” .Über 30 Jahre waren Inflationsraten allenfalls für Statistiker interessant. Seit Ausbruch der Finanzkrise hat sich die wirtschaftliche Großwetterlage aber komplett gedreht. Inzwischen wird sogar laut ausgesprochen, was bis vor Kurzem niemand zu denken wagte: das Auseinanderbrechen der Währungsunion und damit das Scheitern der EU.

Der Euro ist der Buhmann

Nicht wenige Experten machen die Gemeinschaftswährung für die aktuelle Krise verantwortlich. Ein fundamentaler Strickfehler sei z. B. das Fehlen eines Korrekturmechanismus für zu hohe Preise. Konnten Italien, Portugal oder Griechenland früher ihre Landeswährung abwerten, um konkurrenzfähig zu bleiben, bleibt ihnen heute dieser Schritt verwehrt. Eurobedingt sind auch die Leitzinsen für diese Länder viel zu niedrig. Die Folgen sind bekannt: Superverschuldung, Massenarbeitslosigkeit usw.

Der große Crash wird wahrscheinlicher

Für eine Volkswirtschaft sind Inflationsraten von 2 oder 3 % normalerweise kein Problem. In der heutigen hoch verschuldeten Welt aber schon. Um eine Finanzkrise zu bekämpfen, braucht ein Land einen Realzins, der über der Inflationsrate liegt. In der EU gibt es diesen positiven Zins in so gut wie keinem Mitgliedstaat. In Großbritannien liegt die Rate beispielsweise bei rund 5 %. Dennoch hat die Bank of England den Leitzins bei 0,5 % belassen.

Beachten Sie: Würden alle Notenbanken morgen den Leitzins auf 3 % anheben, wäre die gesamte Bankenwelt übermorgen mehr oder weniger pleite.

Die Flucht in Sachwerte verschärft das Problem

Die Szenarien wiederholen sich. Niedrige Bauzinsen und die Angst vor Inflation verleiten immer mehr dazu, in Immobilien zu investieren. Auch diese Folgen sind bekannt. Das Platzen der Blase hat in den USA und Spanien eine schwere Rezession ausgelöst. Das Gleiche könnte in absehbarer Zeit auch in Deutschland passieren. Denn die Preise für Wohnimmobilien explodieren hierzulande geradezu: +3 % von 2010 zu 2011.

Der Point of no Return rückt näher

Viel Zeit haben die Zentralbanken der Industrieländer nicht mehr. Über kurz oder lang müssen sie sich zwischen Inflationskontrolle und Wachstumsstimulierung entscheiden. Dabei ist eins gewiss: Rettungsmodelle der Vergangenheit wie Abwrackprämien oder Nullzins-Politik funktionieren heute nicht mehr. Wenn es auch nicht gleich zu einer Hyperinflation kommen muss, 5 bis 10 % sind durchaus möglich.

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