Preisentwicklungen: Stahlpreise im freien Fall

Angeschlagene Banken, die nur noch knappe oder überhaupt keine Kredite mehr vergeben, setzen den Stahlkochern schwer zu. Verschlimmernd kommt ein komplett verloren gegangenes Vertrauen in den Markt hinzu, ob nun in Europa, den USA oder Asien. Selbst im erfolgsverwöhnten China rutschen die Stahlpreise seit Herbst von einem historischen Tief zum nächsten. Baosteel, der nach Produktionsmenge größte Stahlhersteller des Landes, hat z. B. seine Preise im Dezember zum dritten Mal im laufenden Geschäftsjahr gesenkt. Warmgewalzter Stahl verbilligte sich um 1.000 CNY/t und kaltgewalzter Stahl um 900 CNY/t.In Indien und Japan sieht es nicht besser aus. Zwar versuchen die Hersteller, den Preisverfall durch Produktionsdrosselungen künstlich aufzuhalten, doch rapide fallende Rohstoffkosten liefern den Stahleinkäufern immer neue Argumente, um Preissenkungen durchzusetzen. Unerwartete, aber mächtige Rückendeckung erhalten sie dabei von den Banken. Die nämlich üben immer massiveren Druck auf die Händler aus, ihre übervollen Läger auf die Märkte zu werfen. Pfiffigen Einkäufern winken in den nächsten Wochen also lukrative Schnäppchen. Allenfalls bei höherwertigen Sorten werden sie nur leichte Preisnachlässe von 50 bis 70 €/t herausschlagen können.

Kaltband: Die 80-Euro-Marke im Visier
Die Finanzkrise hinterlässt ihre Spuren auch am Kaltbandmarkt: Die Hersteller sind von ihrem hohen Ross herunter und korrigieren derzeit ihre überzogenen Preisvorstellungen. Hatten sie vor Kurzem noch Aufschläge von bis zu 280 €/t für die Jahresverträge 2009 durchsetzen wollen, sind sie heute wesentlich bescheidener geworden. Standen zur Jahreswende noch Forderungen von 140 bis 150 €/t im Raum, gibt es derweil schon Angebote zu einem Tonnenpreis von 80 €. Wirklich einbrechen werden die Kaltbandpreise im 1. Quartal aber eher nicht.

PRAXIS-TIPP
Wer für 2009 noch keinen Jahresvertrag abgeschlossen hat, ist angesichts der verworrenen Marktlage mit einem Quartalsvertrag besser bedient.

Walzdraht: 450 € pro Tonne
Italien bleibt in Sachen Preisnachlässe für Walzdraht Champion. Hatten im Herbst die italienischen Hersteller als erste im Euroraum ihren Standard-Walzdraht um 100 €/t reduziert, ziehen sie heute mit einem Tonnenpreis von 450 € nach: immerhin ca. 150 €/t unter den Preisen ihrer deutschen Mitbewerber. Dramatisch sinkende Schrottpreise dürften hier wie dort für weitere Abschwünge sorgen. Die Beschaffung von einer Quartalsbasis auf eine Monatsbasis neu auszurichten, ist angesichts dieser Entwicklung nicht der schlechteste Tipp.

Schrott: Die Preise implodieren
Gegenwärtig lagern in den Häfen von Amsterdam, Rotterdam und Hamburg 35 Mio. Tonnen Stahlschrott. Eine gigantische Menge, für die noch vor ein paar Monaten Preise von 400 €/t gezahlt werden mussten. Heute sind es nicht mal ein Viertel (80 €/t fob). Bis ins zweite Halbjahr 2009 wird sich daran nicht viel ändern. Dafür sorgen einerseits die beiden nachfragefaulen Großverbraucher Türkei und Ägypten und andererseits ein weiterer Schrottberg von 1,4 Mio. Tonnen in den Golfstaaten, für den es gegenwärtig keine Käufer gibt.

Eisenerz: Winds of Change
Nicht nur beim Stahl, auch bei Eisenerz beginnt sich der Wind zu drehen. Konnten die drei Marktriesen BHP Billiton, Rio Tinto und Vale, die 75 % des weltweiten Eisenerzmarktes beherrschen, vor genau einem Jahr noch Preiserhöhungen von bis zu 85 % durchsetzen, bieten sie heute Nachlässe von 40 % und mehr an. Am Spotmarkt wird Eisenerz gegenwärtig mit rund 70 $/t gehandelt. Die Preise bei Langfristkontrakten liegen bei 80 bis 90 $/t.

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